Lübeck - Für den Lübecker Steinmetz-Lehrling Lutz Kummetat war es nach 3 Jahren Ausbildung soweit. In Neumünster wurde er zum Gesellen freigesprochen – als einziger seines Berufs im Norden.
Mit stolzem Gesichtsausdruck betrachtet Lutz Kummetat den grauen, mit geschwungenen Formen bearbeiteten Natursteinblock, sein Gesellenstück.
„Wegen meiner Herkunft aus Norddeutschland habe ich mich für ein maritimes Thema für die Gesellenprüfung entschieden“, erklärt Lutz Kummetat (21). Daraus entstanden ist ein surreales Denkmal, das an einen geschwungenen Schiffsrumpf erinnert.
Das Gesellenstück aus Impala-Granit ist der praktische Teil seiner Prüfung, die Theorie hat Kummetat bereits bestanden. Sein Chef Stefan Wolf vom Natursteinwerk Rechtglaub-Wolf hatte keinen Zweifel daran, dass die Abnahme des Werkstücks ebenfalls gut verläuft. „Herr Kummetat ist ein ausgezeichneter Jungsteinmetz," so Wolf im Rahmen der Freisprechung in Neumünster, dem Sitz der Landesinnung des Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerks Schleswig-Holstein.
Die Ausbildung für diesen selten gewordenen Beruf hält der Steinmetzmeister Wolf für eine sehr wichtige Aufgabe. „Wir bilden auch über unseren Bedarf aus. Das ist unsere Verpflichtung der Gesellschaft gegenüber. "Auch wenn wir so in Kauf nehmen müssen, dass wir nicht alle übernehmen können.“ So steht es auch um Lutz Kummetat. Trotz seiner guten Leistungen wird der junge Mann seinen Ausbildungsbetrieb verlassen müssen. „Es tut uns natürlich sehr leid, dass wir Herr Kummetat derzeit nicht übernehmen können“, so Stefan Wolf bedauernd. „Trotz aktuell hervorragender Auftragslage ist es uns derzeit nicht möglich weiter einzustellen. Wir bleiben aber in Kontakt.“
Auch der Lehrling selbst blickt mit gemischten Gefühlen dem Ende seiner Ausbildungszeit entgegen. „Ich habe hier so viel gelernt und nicht nur Grabsteine gehauen. In allen möglichen Bereichen habe ich praktische Erfahrungen gesammelt.“ Das Repertoire des Natursteinwerks ist breit gefächert. Neben Grabsteinen und Fensterbänken fertigt Rechtglaub-Wolf auch Bodenbeläge, Arbeitsplatten oder Kunst-Elemente für Haus und Garten. Als Lehrbetrieb bietet Rechtglaub-Wolf somit eine vielseitige Ausbildung. „Es waren die ganz alltäglichen Herausforderungen, die mich vorangebracht haben“, resümiert Kummetat. Jetzt wird er vorerst wieder die Schulbank drücken und sich im kommenden Jahr wieder bewerben.
Ein besonderes Highlight seiner Lehrzeit war sein 13-wöchiger Aufenthalt im italienischen Carrara im Rahmen des "Leonardo-Projekts" der EU, welches Ihm durch das Steinmetzzentrum Königslutter und seinen Ausbildungsbetrieb ermöglicht wurde. „Die Zeit hat mich sehr stark beeinflusst“, schwelgt Kummetat in Erinnerungen. „Man hat so viel gesehen und kennengelernt. Auch an Techniken, die hierzulande nicht so gebräuchlich sind.“
Und das Ergebnis spricht für Auszubildenden und Ausblidungsbetrieb. Lutz Kummetat hat mit hervorragenden Leistungen die Prüfungskommission überzeugt. Sein Gesellenstück wurde mit der Note "1" bewertet. Somit ist Lutz Kummetat nicht nur für seinen Ausbildungsbetrieb, sondern auch für die Landesinnung des Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerks ein großer Hoffnungsträger. Er wird jetzt zum Bundeswettbewerb der Steinmetze angemeldet.